Interview mit Andreas Brandhorst

Andreas Brandhorst - Kantaki
Andreas Brandhorst - Kantaki

"Diamant" ist der erste Roman des deutschen SF-Autors Andreas Brandhorst (als Terranauten-Autor bekannt unter dem Pseudonym "Andreas Weiler") aus dem neuen, faszinierenden "Kantaki-Universum". Eine detailierte Einführung in die Hintergründe sowie eine Leseprobe des Romans ist zu finden auf der phantastischen, eigens eingerichteten Website des Autors unter www.kantaki.de.

Das Buch kann bei Amazon.de direkt online bestellt werden!

 

Anmerkung:
Fragen von Jürgen Weinzierl, abgekürzt [JW]
Antworten von Andreas Brandhorst, abgekürzt [AB]

 

[JW] Frage:
Lieber Andreas Brandhorst, mit Diamant haben Sie nun Ihren ersten Roman aus dem "Kantaki-Universum" <www.kantaki.de> vorgelegt. Der Hintergrund der Geschichte erstreckt sich dabei über einen Zeitraum von Jahrmiliarden mit z.T. sehr komplexen "historischen" Beziehungen zur Gegenwart des Romans. Wie lange haben Sie denn an diesen detaillierten Hintergrund-Informationen gearbeitet, bevor Sie mit dem eigentlichen Roman beginnen konnten?

[AW] Antwort:
Die Arbeit an "Diamant" hat über ein Jahr gedauert, und beides entstand gleichzeitig, Handlung und Hintergrund, gewissermaßen in einer Art Symbiose. Nach dem ersten Entwurf des Manuskripts (602 MS) habe ich Roman, Hintergrund und Chronik dreimal komplett überarbeitet, wodurch das Manuskript bis auf über 750 Seiten anschwoll, um in der "final version" dann bei gut 700 MS zu liegen. Es kamen immer wieder Dinge hinzu, und andere fielen weg. "Diamant" ist "gewachsen". </www.kantaki.de>

[JW] Frage:
In Ihren Romanen steht nahezu immer ein größerer, meist kosmologischer Zusammenhang im Hintergrund, der die Geschicke der Protagonisten lenkt (z.B. "Waffe der Uralten/David terGorden" bei den Terranauten, "Gral/Carinne" in der Feuerstrasse, "Temporale/Lidias Gabe" in Diamant). Lag Ihnen diese universelle Sinnfrage schon immer am Herzen oder entstammt sie auch ein wenig der Arbeit an den Terranauten?

[AW] Antwort:
Epische SF hat mir immer gut gefallen - dadurch wird die Bühne größer, auf der sich alles abspielt. Die Frage nach dem Sinn liegt mir tatsächlich sehr am Herzen, vor allem bezogen auf das individuelle Leben. In "Diamant" geht es auch und gerade darum, um verschiedene Lebenswege und ihre Konsequenzen. Aber mir gefällt auch das Kosmische, wie damals bei den Terranauten, die mich sicher geprägt haben, meine heutige Arbeit aber nicht mehr beeinflussen - immerhin sind mehr als zwanzig Jahre vergangen. Der kosmische Aspekt des Kantaki-Universums, so viel kann ich hier verraten, wird sich in "Der Metamorph" (Heyne, Januar 2005) noch verstärken.

[JW] Frage:
Neben der historischen Komponente fällt in Ihren Werken auch immer wieder auf, dass Sie sich oft stark von der Mainstream-SF lösen. Es fehlt das dort typische, extrem von (militärischer) Technik dominierte Umfeld; stattdessen finden sich viele Elemente, die teils mystisch wirken und an Fantasy erinnern. Auch in Diamant spielt die Philosophie der Kantaki eine wichtigere Rolle als die technischen Instrumentarien. Sind Sie ein "Grenzgänger" zwischen SF und Fantasy?

[AW] Antwort:
Ich denke schon. Die Fantasy, wie sie heute existiert, reizt mich kaum, aber ich mag auch keine rein technisch-naturwissenschaftliche SF. Mystik fasziniert mich, das scheinbar (?) Unerklärliche, die Beschäftigung mit fremden Gedankenwelten. Ich mag "psychologische SF", die Verquickung von Innen- und Außenwelten. Während wir uns bewegen, wirken wir auf die Umwelt ein, und die Umwelt auf uns, und dieser Vorgang der stetigen Veränderung fasziniert mich sehr. Jeder von uns sieht die Welt auf seine eigene Art und Weise, durch seinen eigenen Filter; jeder von uns "reflektiert" sie anders. Es gibt also nicht ein wahrgenommenes Universum, sondern Milliarden. Es gefällt mir sehr, darüber nachzudenken und zu schreiben.

[JW] Frage:
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Frage nach der überlichtschnellen Raumfahrt: Sie scheinen ja nicht nur in den Terranauten ein Gegner einer rein technischen Lösung zu sein! Wie könnten Sie sich persönlich den weiteren Weg der Menschen in den Raum vorstellen?

[AW] Antwort:
Ich bin kein "Gegner" einer rein technischen Lösung für die überlichtschnelle Raumfahrt, ich halte sie nur für sehr unwahrscheinlich. Außerdem finde ich es in erzählerischer Hinsicht interessanter, das geistige Element in den Vordergrund zu schieben, beziehungsweise beides miteinander zu verbinden, Technik und Psyche. Technik steht schließlich nicht allein da: Sie ist ein Werkzeug, vom Geist erdacht und von Händen erschaffen; sie ist gewissermaßen eine Erweiterung von uns. Vielleicht sind wir irgendwann einmal in der Lage, geistige Avatare von uns mit Hilfe von elektromagnetischen Wellen zu anderen, fernen Welten zu schicken. Vielleicht wird die Kommunikation mit anderen intelligenten Spezies, die zweifellos existieren, einmal mithilfe solcher psychischer Projektionen stattfinden. Vielleicht brechen wir irgendwann mit virtuellen Raumschiffen auf, die keine Masse haben und daher auch nicht den entsprechenden physikalischen Beschränkungen unterliegen.

[JW] Frage:
Nach dem Lesen von "Diamant" wartet man nun ungeduldig darauf zu erfahren, wie es mit Valdorian und Lidia witergeht. Wann kann man denn auf die Fortsetzung hoffen?

[AW] Antwort:
Ich habe es oben schon kurz erwähnt: Der 2. Roman aus dem Kantaki-Universum erscheint unter dem Titel "Der Metamorph" im Januar 2005 bei Heyne, und der 3. Roman mit dem Titel "Der Zeitkrieg" ist für September 2005 geplant, natürlich ebenfalls bei Heyne.

[JW] Frage:
Haben Sie den Kantaki-Zyklus bereits vorab auf eine bestimmte Anzahl von Romanen begrenzt? Bei dieser Fülle an Hintergrundinformationen wären ja nahezu unbegrenzt viele Handlungsstränge denkbar, wie z.B. eine Reihe von Erzählungen über die vorhergegangenen "Zeitkriege" oder auch Kurzgeschichten.

[AW] Antwort:
Nein, es steht noch nicht fest, wie viele Bände der Kantaki-Zyklus haben wird; ich möchte mir selbst und meiner Kreativität da keine Grenzen setzen. Es gibt noch so viel zu erzählen, auch von Dingen, die mit der aktuellen Handlung nichts zu tun haben ... Vielleicht schreibe ich den einen oder anderen Einzelroman. Das Kantaki-Universum ist so herrlich groß, und es gibt so viel darin zu erforschen ...

[JW] Frage:
Zum Schluss noch einige Fragen zu den Terranauten, die für die Fans bis heute nicht vergessen sind: Hatten Sie nach dem bisher letzten Roman "Das Terranauten-Projekt" jemals das Bedürfnis, wieder einen Roman über David terGorden & Co. zu schreiben? Gabs oder gibts noch Kontakte zu den damaligen Autoren-Kollegen ?

[AW] Antwort:
Zu einigen Autoren habe noch Kontakt, selbst jetzt noch nach mehr als zwanzig Jahren und obwohl ich in Italien lebe.Und wenn es jemals wieder eine Möglichkeit geben sollte, etwas aus der Welt der Terranauten zu erzählen - warum nicht?

[JW] Frage:
Wie stehen Sie zur Diskussion einer Neuauflage der Terranauten, evtl. auch in Buchform? Sehen Sie überhaupt eine Chance auf dem heutigen Markt oder sind die Terranauten nach wie nur für eine Minderheit von SF-Lesern von Interesse?

[AW] Antwort:
Ich würde eine Neuauflage (und Weiterführung!) der Terranauten auf jeden Fall begrüßen, und nicht nur aus nostalgischen Gründen - die Arbeit an der Serie war damals eine sehr wichtige Phase für mich, während der ich viel gelernt habe. Ich glaube, die Terranauten hätten heute durchaus noch eine Chance, vielleicht sogar eine größere als damals. Wir haben in den achtziger Jahren versucht, anspruchsvolle SF in Heftromanform zu schreiben, "Heftchen mit Inhalt", und warum sollte es dafür heute keinen Markt geben? Öko-Psycho-Space-Opera, das wär doch was! :-) Vielleicht findet sich irgendwann ein mutiger Verlag (Hallo, Bastei ...?) ...

[JW] Frage:
Woran ist Ihrer Meinung nach damals das Projekt erst im Heftroman, dann auch als TB-Reihe gescheitert? An Ideen hats ja wohl nie gefehlt!

[AW] Antwort:
Nein, Ideen haben wirklich nicht gefehlt, ganz im Gegenteil. Entscheidend war letztendlich der wirtschaftliche Aspekt: Kosten und Umsatz der Terranauten-Serie standen einfach nicht im richtigen Verhältnis. Mit anderen Worten: Die Terranauten brachten dem Verlag nicht genug ein. Ein Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen, dessen Produkte (Bücher, Heftromane) "sich rechnen" müssen.

[JW] Frage:
Gibts noch unveröffentlichtes Terranauten-Material von Ihnen oder den anderen Autoren?

[AW] Antwort:
Nicht dass ich wüsste.

[JW] Frage:
Noch eine freche Frage:
Können/dürfen/würden Sie uns evtl. eine klitzekleine Kurzgeschichte oder einen Auszug aus bisher nicht veröffentlichten Terranauten-Stories für die "terranauten.de" zur Verfügung stellen? :-)

[AW] Antwort:
Tut mir wirklich Leid, aber derartiges Material habe ich nicht. :-( Damals gab's noch keine Computer. Wir haben die Romane in mühsamer manueller Arbeit (sprich: auf der Schreibmaschine) geschrieben, das Original mit einem Durchschlag. Die MS-Originale liegen im Verlag (das heißt, sie lagen dort; inzwischen existieren sie längst nicht mehr), und die Durchschläge sind, in meinem Fall, mehreren Umzügen zum Opfer gefallen. Die Hefte haben natürlich noch immer einen Ehrenplatz in meinem Regal!

Lieber Andreas Brandhorst, herzlichen Dank für Ihre ausführlichen Antworten. Wir wünschen Ihnen von hier aus viel Erfolg mit dem Kantaki-Universum und freuen uns auf hoffentlich viele weitere Romane daraus. Eine große Freude für die Leser dieser Website wäre es sicherlich, auch mal wieder was Neues von den Terranauten in den Händen halten zu dürfen.


Andreas Brandhorst / Jürgen Weinzierl
Regensburg, September 2004

Band 22: Der Katastrophen-Planet

Die Rückkehr der Terranauten

Band 11: Planet der Logenmeister

Die letzte Bastion der Treiber soll fallen

Band 105: Kosmisches Labyrinth

David terGorden, einer der Führer der Terranauten, befindet sich auf einer Suche durch ferne...